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Erasmus+ – Treffen auf Sizilien: Refugee Crisis – 13.01.2019-20.01.2019

Seit November 2018 arbeitet das Gymnasium Lehrte an seinem dritten Erasmus+ – Projekt. Unter dem Titel „Refugee Crisis: New Concepts, New Ideas and New Changes“ soll ein interkultureller Dialog über die Flüchtlingskrise eröffnet und sich über verschiedene Integrationsmaßnahmen und –projekte länderübergreifend ausgetauscht werden. Das Projekt wird gemeinsam mit unseren Partnerschulen Istituto di Istruzione Superiore „Giovanni Verga“ aus Modica, Sizilien, und dem Collège St Gervais in St. Gervais sur Mare/ Montpellier, Frankreich bearbeitet. Aber wieso dieses Projekt?

Idee und Projektbeschreibung

Die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen in ihren verschiedenen Ausprägungen ist ein inhärentes Merkmal eines Europas im 21. Jahrhunderts. Dies bedeutet ebenfalls neue Ansprüche an Integrationskonzepte, -maßnahmen und –projekte, um auf die große Flüchtlingswelle zu reagieren. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass ein Austausch über die Entwicklung von funktionierenden Integrationskonzepten über Ländergrenzen hinweg unabdingbar ist. Darüber hinaus glauben wir, dass die Integration bereits in unseren Schulen, in unseren Gemeinden und in unseren lokalen Firmen beginnt und nicht nur Aufgabe der internationalen Politik ist. Demzufolge soll unser Projekt verschiedene erfolgreiche Integrationsprogramme innerhalb der EU analysieren und miteinander vergleichen. Unser Endprodukt, eine Webseite, soll Berichte, Interviews und Videos beinhalten, welches über adaptierbare Ideen für andere Projekte informiert. Darüber hinaus soll unser Produkt weltweit nutzbar sein und Lehrkräften aus aller Welt mit zur Verfügung gestellten Materialien für den Unterricht ermöglichen, dieses komplexe Thema zu unterrichten und in einem politischen Planspiel zu diskutieren.

Dementsprechend ist unser zweijähriges Projekt in mehrere Phasen aufgeteilt, die den Blick progressiv vom Allgemeinen auf spezifische Maßnahmen richten:

  1. De jure: Die EU und ihr Umgang mit Integration: Gesetze und Politik
  2. De facto: Der regionale Fokus auf soziale Integrationskonzepte in der Lokalpolitik und im Bildungssystem
  3. Private Integrationsinitiativen und NGOs
  4. Integrationsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt

Jedes dieser Module vergleicht die verschiedenen Reaktionen und Maßnahmen der Länder, Flüchtlinge zu integrieren und richtet den Blick auf die einzelnen Strategien, ihre Stärken und Schwächen und die Möglichkeit der Adaption.

 

Die erste Projektphase vor den Kulissen Siziliens – De jure: Umgang der EU und ihren Mitgliedstaaten mit der Flüchtlingskrise umzugehen

Das erste Modul hat sich zur Aufgabe gesetzt, politische Entscheidungen im Kontext der Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen innerhalb der Richtlinien der EU sowie in ihren Mitgliedsstaaten genauer in den Blick zu nehmen und sie miteinander zu vergleichen. Es soll vor allem darum gehen, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die politischen Entwicklungen der Länder und der EU verschaffen, umso in einen auf Fakten basierenden zukünftigen Austausch zu gehen.

Ziel des ersten Projekttreffens ist es eine internationale Podiumsdiskussion zu simulieren, in der die Schülerinnen und Schüler verschiedene politische Positionen übernehmen und diskutieren.

In der Vorbereitung haben sich die Schülergruppen entsprechend mit den länderspezifischen Antworten auf die Flüchtlingskrise auseinandergesetzt und dabei die nationale Politik, Gesetzgebung und die Reaktionen der Öffentlichkeit analysiert sowie ihre Ergebnisse mit der Reaktion der EU verglichen.

Entsprechend gestaltete sich das erste internationale Projektmeeting unter der Leitfrage: „How does the EU and how do the single states within the EU deal with the challenges of the current refugee crisis?“

 

Das erste Projekttreffen auf Sizilien, Modica

Am Sonntag, dem 13. Januar 2019 war es endlich soweit: Das erste Treffen im Rahmen des Erasmus+-Projektes „Refugee Crisis: New Concepts, New Ideas and New Changes“ mit den französischen und italienischen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften der Partnerschulen stand bevor.

Vom regnerischen Hannover reisten wir, 5 Schülerinnen und Schüler mit unseren beiden Lehrkräften des Gymnasiums Lehrte, Herr Fasterding und Frau Busch, über Amsterdam, Rom und Catania in die sizilianische Kleinstadt Modica, wo wir gegen Mitternacht herzlich von unseren Gastfamilien begrüßt wurden.

Der erste Tag begann mit der Begrüßung in der Schule „Istituto d’Istruzione Superiore Giovanni Verga“ durch den Schulleiter sowie einem kleinen Rundgang durch das Schulgebäude, wobei uns die wichtigsten Informationen für unseren Aufenthalt gegeben wurden. Nach drei Unterrichtsstunden ging es für uns mit dem Bus nach Modica bassa, dem im Tal gelegenen Teil der Stadt, wo wir einen Eindruck der Stadt gewinnen konnten und gemeinsam mit den anderen Teilnehmern des Projektes den Abend haben ausklingen lassen.

Der Dienstag begann gewohnt früh mit dem Gang zur Schule. Von da aus ging es direkt weiter nach Pozzallo, ein kleiner Ort direkt am Strand. In der Nähe lag ebenfalls ein Auffangzentrum für die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen. Es war eine funktional gebaute Halle, die von einem Zaun eingezäunt wurde. Obwohl Sizilien zurzeit keine Flüchtlinge aufnimmt und das Gebäude entsprechend nicht genutzt wurde, bewachte das Militär das Zentrum, sodass wir mit dem Bus daran vorbeigefahren sind, ohne auszusteigen. Der Eindruck war jedoch tiefgreifend – wie mochten sich wohl die Menschen fühlen, die nach einer gefährlichen Überfahrt hier ankamen?

Dementsprechend war auch die heutige Aufgabe des Projekts aufgebaut, die wir in Marzamemi, ein weiterer kleiner und typisch sizilianische Ort, bearbeiteten. Es sollten kurze Interviews gedreht werden, in denen verschiedene Akteure, wie Politiker der Länder und der EU, Bürger und geflüchtete Menschen, kurze Statements zu den aktuellen politischen Situationen rund um die Flüchtlingskrise in den jeweiligen Ländern formulieren und diskutieren. Auf Basis unserer vorbereiteten Arbeit in unseren jeweiligen Heimatländern erarbeiteten wir gemeinsame Statements und drehten die kurzen Clips in kleinen internationalen Gruppen. Des Weiteren galt es Fotomotive zu finden, die aktuelle politische Haltungen zur Flüchtlingspolitik symbolisierten.

Am Mittwoch besichtigten wir das SPRAR, ein Flüchtlingsankunftscenter. Dieser Besuch war für uns besonders wichtig, da wir uns so zumindest ein flüchtiges Bild der Umstände in unserem Partnerland machen konnten. Mit den dort gewonnenen Eindrücken konnten wir unsere weiteren Aufgaben deutlich reflektierter und mit erheblich gesteigertem Hintergrundwissen bearbeiten, was schlussendlich zu einem zielführenden Ergebnis unserer Arbeitswoche führte. Das Flüchtlingscenter nimmt die Flüchtlinge nach der Erstaufnahme auf und ähnelt einem betreuten Wohnen. Die Menschen dort wohnen in ihren Familien oder in kleinen WGs zusammen und kümmern sich selbstständig um alle Belange des alltäglichen Lebens. Neben Sprachkursen besuchen sie auch Schulen oder arbeiten. Unterstützt werden sie dabei durch Sozialpädagogen und ehrenamtliche Helfer.

Der Donnerstag war in dieser Woche unser persönliches Highlight, da wir Taormina besichtigt haben und somit auch ein antikes griechisches Theater. Dieses war in einem fast makellosen Zustand erhalten, lediglich der große Steinbogen hinter der Bühne war nicht mehr vollständig vorhanden. Von dort aus hatten wir einen fantastischen Blick über das Meer und zum schneebedeckten Ätna. Den Rest des Tages verbrachten wir damit in kleinen internationalen Gruppen einen Podcast zur Flüchtlingskrise zu erstellen, in dem wir uns über unsere Erfahrungen bei SPRAR austauschen sowie im Allgemeinen über die Flüchtlingskrise im internationalen Vergleich sprechen sollten. Diese Aufgabe beschäftigte uns nicht nur während unseres Aufenthaltes in Taormina, sondern auch während der langwierigen dreistündigen Busfahrt zurück nach Modica, wo wir den Abend im gemeinschaftlichen Zusammensitzen mit den Gastfamilien ausklingen lassen konnten.

Freitag war der vermutlich wichtigste Tag für die Arbeit an unserem Projekt. Nicht nur haben wir den anderen Projektteilnehmern unsere zuvor erarbeiteten Ergebnisse in Form von mehreren Prezi-Präsentationen vorgestellt und miteinander verglichen, wir haben auch Rollenkarten und –charaktere erarbeitet, aus deren Positionen heraus wir in einer simulierten Podiumsdiskussion die Flüchtlingskrise und ihre zugrundeliegenden Dynamiken sowie legale Möglichkeiten, humanitäre Notwendigkeiten und pragmatische Lösungsansätze, mit der Krise umzugehen, diskutieren werden. Dazu kam die Übertragung unserer Vorstellungen im sizilianischen Fernsehen, was für viele von uns ebenfalls eine tolle, aber vor allem eine neue Erfahrung war.

Die restliche Zeit wurde ganz frei von Aufgaben von allen Schülern gemeinsam verbracht, so waren wir am Freitagabend alle zusammen Pizza essen, in einem typisch italienischen Café und in einer Shopping Mall. Samstag haben wir mit unseren Gastfamilien verbracht und unterschiedliche Ausflüge unternommen. Alles in allem war die Fahrt also nicht nur geprägt von Arbeit an unserem Projekt, sondern vor allem von interkulturellem Austausch, vom Gewinnen neuer Bekanntschaften und natürlich der überwältigenden Atmosphäre Italiens.

Die Vertreter des Gymnasiums Lehrte