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Die Eichmann-Protokolle – Eine Lesung im Kurt-Hirschfeld-Forum

Insgesamt etwa 200 Schülerinnen und Schüler beider Jahrgänge der Qualifikationsphasen (Q1 und Q2) waren am 26. Januar der Einladung der Fachbereiche Politik, Deutsch und Geschichte und des Antikriegshauses Sievershausen gefolgt und verfolgten die Szenische Lesung “Die Eichmann-Protokolle”, dargeboten von den Hannoverschen Kammerspielen. Die Schauspieler Harald Schandry und Bernd Surholt stellten die Rechtfertigungen eines Mannes dar, der jegliche Verantwortung von sich weist – Prototyp einer Untertanenmentalität, die mit dem Dritten Reich keineswegs ausgestorben ist.

Der Politikkurs Q1 von Uwe Röber hat folgende Gedanken aufgeschrieben:

„Nach dem Stück war ich baff. Zwar haben wir schon so einiges über den Nationalsozialismus gehört, waren auch in Bergen-Belsen; das hier war aber noch etwas anderes!“
Baff gemacht hat den Schüler des Politik-Leistungskurses am Gymnasium Lehrte die Szenische Lesung der Eichmann-Protokolle im Kurt-Hirschfeld-Forum am 26. Januar.
Anlässlich des bevorstehenden Shoa-Tages hat das Antikriegshaus Sievershausen die Lesung der Hannoverschen Kammerspiele an das Gymnasium Lehrte vermittelt und kam damit seinem Auftrag der friedenspädagogischen Jugendarbeit erfolgreich nach.
Bernd Surhold liest in der 50minütigen Aufführung in der Rolle Eichmanns Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen Eichmanns. Harald Schandry spricht Zeitzeugenberichte, vor allem aber Sätze des Verhörenden, des israelischen Hauptmanns Aver Less. „Ich maße mir nicht an, in die Rolle dieses Mannes zu schlüpfen, dessen Vater ebenfalls von den Schergen des NS-Regimes in die Gaskammer geschickt worden ist. Deshalb haben wir auch die Form der szenischen Lesung gewählt.“
Die 200 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Gymnasiums hören konzentriert, ja gebannt zu, auch noch, als die beiden Schauspieler die Fragen der Zuhörer so interessant und kenntnisreich beantworten, dass ein später hinzugekommener Lehrer der Auffassung war, es würde sich bei den beiden Schauspielern um Historiker handeln.
„Diese Lesung empfehlen wir für die zukünftigen Jahrgänge des Gymnasiums zu wiederholen“, meinten am Ende die Oberstufenschüler einhellig. (Politikkurs g2 Q1 – Röber)

 

Michael Schütz vom Anzeiger Lehrte schrieb über die Veranstaltung:

Ein Täter macht sich im Verhör klein – Hannoversche Kammerspiele bringen die Eichmann-Verhöre ins Kurt-Hirschfeld-Forum
Mit den schwärzesten Stunden der deutschen Geschichte haben sich gestern die Jahrgänge 11 und 12 des Gymnasiums Lehrte beschäftigt. Am Tag vor der Zeugnisausgabe sowie einen Tag vor dem heutigen Holocaust-Gedenktag kamen die Hannoverschen Kammerspiele ins Kurt-Hirschfeld-Forum. Die Schauspieler Harald Schandry und Bernd Surholt lasen Auszüge aus den Verhören, welche die israelische Justiz Anfang der Sechzigerjahre mit Adolf Eichmann geführt hat. Der Organisator der Transporte in die Vernichtungslager der Nazis während des Zweiten Weltkriegs war 1960 in Argentinien vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt worden. Nach einem Prozess wurde er 1962 hingerichtet.
Was die Schüler zu Gehör bekamen, waren Beteuerungen der Unschuld, die Berufung auf Befehle und die Ausreden eines Schreibtischtäters. Er sei kein Antisemit, beteuerte Eichmann angesichts der Nachfragen des verhörenden Polizisten Avner Less. Er habe nur seine Pflicht getan. Eichmann habe sich bei den Verhören kleiner gemacht als er war, rückten Schandry und Surholt beim anschließenden Gespräch mit den Schülern die Aussagen des SS-Angehörigen ins rechte Licht. Später aufgetauchte Tonband-Interviews belegten, dass Eichmann als Antisemit aktiv die Vernichtung der Juden plante und keineswegs nur Aufträge ausführte. Die Schauspieler gaben den Schülern am Schluss zu bedenken, dass man sich nicht vorstellen könne, wie man in einer totalitären Gesellschaft ohne große Informationsmöglichkeiten lebt: „Heute kann man leicht sagen, ich wäre in den Widerstand gegangen.“

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