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Partnerschule Atidim High School Holon Israel

Living Diversity

in Germany and Israel

Erster deutsch-israelischer Jugendaustausch zwischen der Atidim High School und dem Gymnasium Lehrte

„Und jedem Anfang wohnt ein ganz besonderes Zauber inne“ — wie wahr: Der erste deutsch-israelische Jugendaustausch hat tatsächlich alle am Projekt Beteiligten begeistert, zum Hinterfragen und Nachdenken angeregt, herausgefordert, sehr glücklich aber auch traurig gemacht. Unsere ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke sind vielfältig und ein bloßer Bericht kann diese Fülle Impressionen kaum wiedergegeben.

Der Besuch der jungen Israeli in Lehrte markiert den Beginn eines neuen Austauschprogramms in der Stadt Lehrte. Es ist ein deutliches Bekenntnis der Stadt Lehrte und unserer Schulgemeinschaft für Frieden und Versöhnung: Es unterstreicht unseren Wunsch, die gewachsenen deutsch-israelische Beziehungen durch eben die Ebene persönlicher Kontakte zwischen Schülerinnen und Schülern zu erweitern. Gerade der Kontakte zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Israel wird erst durch das persönliche Kennenlernen lebendig. Gemeinsam Zeit zu verbringen, sich auf neue und andere Kulturen einzulassen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken, ist der beste Weg, um Vorurteilen wirksam zu begegnen und den persönlichen und beruflichen Horizont zu erweitern.

Projekttreffen in Israel  –  Oktober bis 13. Oktober 2019

I couldn’t believe that in one week

you could go through all these emotions –

I laughed, I cried, I was excited,

and most of all I had fun!!

Vom  05. Oktober bis 13. Oktober 2019 waren die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Holon zu Gast, einer unmittelbar an Tel Aviv angrenzenden Stadt.  Wir haben uns schnell eingelebt und zu Hause gefühlt, da wir so freundlich und warmherzig im Rahmen einer Willkommensparty begrüßt wurden.

Neben Vorträgen und politischen Planspielen zum aktuell schwelenden Konflikt zwischen Israel und Palästina und der uns alle beeindruckenden Begegnung mit Hanna Tidhar, einer Überlebenden der Shoa, die uns als Zeitzeugin die unvorstellbaren Schrecken der Verfolgung der europäischen Juden aus ihrer ganz persönlicher Sicht darstellte, besuchten wir die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: Sowohl multidisziplinär als auch fachübergreifend präsentiert das Museum die Geschichte des Holocaust aus einer einzigartigen jüdischen Perspektive, die anhand von Originalgegenständen, persönlichen Habseligkeiten und Augenzeugenberichten von Überlebenden die Erfahrungen der einzelnen Opfer beleuchtet und uns verdeutlicht, dass die Erinnerung an die Shoa in unser aller Verantwortung liegt.

Klaus Perk: „Wenn die Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust allmählich verstummen, ist es unsere Verpflichtung, ihr Erbe zu lebendig zu halten.“ Die Stadtführung durch Jerusalem, der Stadt in der die drei monotheistischen Weltreligionen verwurzelt sind, die Klagemauer und der dreitägige Besuch im Palästina-Gebiet unweit der Geburtskirche in Bethlehem sind unvergessliche, weil so prägende Momente.

 

Projekttreffen in Deutschland   –    Oktober bis 24. Oktober 2019

Wir merkten nämlich, dass wir in Israel großartige Freunde haben und dass eine Freundschaft nicht von der Staatsangehörigkeit oder der Religion abhängt, sondern tiefer geht und alle Grenzen überbrücken kann.

Bereits vier Tage nach unserer Verabschiedung von Israel konnten wir unsere  neuen israelischen Freunde zum Gegenbesuch in Lehrte begrüßen. Neben dem Besuch der Gedenkstätte Ahlem und der persönlichen Diskussionsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch in Berlin, dem Besuch des Bundestags und des Holocaust-Mahnmals unweit vom Brandenburger Tor bildete die Podiumsdiskussion zum Thema „Mauern sprengen – Aufeinander zugehen“ den thematischen Höhepunkt des gesamten deutsch-israelischen Projekts. Moderiert von Silke Brandes und Klaus Perk stellten sich Katja Demnig, Initiative Stolpersteine der Stiftung Spuren, Kirsten Fricke Seelsorgerin im Kirchenkreis und Expertin für interreligiösen Dialog, und Eliah Sakakushevvon Bismarck, künstlerischer Direktor der Villa Seligmann für jüdische Musik, den Fragen der geladenen knapp 350 Schülerinnen und Schülern, die zuvor im Workshop erarbeitet wurden. Geschickt und klug zielten die Schüler mit ihren Fragen auf den wirklichen praktischen Nutzen der auf Völkerverständigung angelegten Arbeit der Podiumsgäste.

Der erste Kontakt zwischen dem Gymnasium Lehrte und dem Gymnasium Atidim in Holon wurde mit knapp 14 000 Euro von ConAct, einer Einrichtung des Bundesministeriums, finanzielle gefördert mit dem Ziel, möglichst allen Schülerinnen und Schülern in Israel und in Deutschland die Teilnahme an dem Projekt finanziell ermöglichen zu können. Wir danken allen beteiligten Schülerinnen und Schülern und ihren Familien ganz herzlich für ihre Offenheit, für das große Engagement, die kreativen Ideen und die große Unterstützung. Ganz besonders bedanken wir uns auch für die so hervorragende Kooperation mit Frau Algner-Habermann und Frau Tara Esdaile von der Stadt Lehrte, die sich so aufopferungsvoll für das Gelingen des Begegnungsprojekt engagiert haben.

Auch wenn allem Anfang ein ganz besonderer Zauber innewohnt, so sind wir überzeugt, dass dieser Zauber auch in den zukünftigen Jugendbegegnungen zwischen der Atidim High School und dem Gymnasium Lehrte spürbar bleibt.

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Erster Deutsch-Israelischer Schüleraustausch in der Presse

In der HAZ/NP berichtete Achim Gückel:

„Shalom“ im Rathaus: Gäste aus Israel sind in der Stadt

Gymnasium startet Austausch mit Schule in Holon /
Junge Lehrter sind von Aufenthalt beeindruckt

Fototermin zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland: Die Jugendlichen aus Israel und Lehrte sowie Lehrer und Betreuer präsentieren sich gemeinsam mit Lehrtes Erstem Stadtrat Uwe Bee (oben, rechts) vor dem Rathausportal. Foto: Achim Gückel

Im altehrwürdigen Lehrter Rathaus hat es am Freitagvormittag eine Premiere gegeben. Erstmals ist dort eine Gruppe von Jugendlichen und Lehrern aus Israel offiziell begrüßt worden. Lehrtes Erster Stadtrat Uwe Bee empfing die jungen Leute mit einer kurzen Rede auf Englisch und stellte dieser ein freundliches „Shalom“ voran.

Der Besuch der jungen Israeli in Lehrte markiert den Beginn eines neuen Austauschprogramms des Lehrter Gymnasiums. Es soll ein deutliches Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Bee ging in seiner Rede auch auf das finsterste Kapitel in der deutschen Geschichte ein – die Verfolgung der Juden durch das Nazi-Regime und den Holocaust. „Wir müssen uns stets erinnern und unsere Verantwortung erkennen“, sagte er und sprach von einem „speziellen Verhältnis“ zwischen Deutschland und Israel. Insofern sei das nun gestartete Austauschprogramm des Gymnasiums eine besonders wichtige Sache.

Die Gruppe aus 15 Jugendlichen aus Holon – sie sind zwischen 13 und 17 Jahre alt – war am Donnerstagabend in Lehrte angekommen. Für Freitagabend stand eine erste Party im Jugendhaus Nord am Aligser Weg auf dem Programm. Anschließend werden die jungen Leute aus Israel jeweils einen Tag in Hamburg und Berlin verbringen, deutschen Schulunterricht erleben, die Gedenkstätte in der einstigen jüdischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem besuchen und auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kulturelle Vielfalt leben“ mitgestalten, in der es um Religion, Politik und Wirtschaft gehen wird.

Bereits Anfang Oktober war eine Gruppe von Elftklässlern aus dem Lehrter Gymnasium in Holon zu Gast, einer Stadt angrenzend an Tel Aviv. Dort habe man sehr freundliche und offene Menschen erlebt und sich sehr schnell wie zu Hause gefühlt, sagten die jungen Lehrter während des Empfangs am Freitagvormittag. Man habe dabei auch viel über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern erfahren. Am stärksten beeindruckt sei man jedoch vom Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gewesen.Organisiert wurde der Aufenthalt der jungen Israeli in Lehrte unter anderem von Stadtjugendpflegerin Tara Edaile sowie der Leiterin des Gymnasiums, Silke Brandes, und dem dort für die Europaprojekte zuständigen Klaus Perk. Brandes betonte, sie setze auf eine regelmäßige Fortsetzung des Israel-Austauschs. Der erste Kontakt zwischen dem Gymnasium Lehrte und dem Gymnasium Atidim in Holon wurde mit 14 000 Euro gefördert. Diese Summe hatte das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie bewilligt. Das Geld dient unter anderem zur Finanzierung der Reisekosten sowie des Freizeitprogramms. 9000 Euro davon gingen an die Schule in Holon.

Podiumsdiskussion: “Mauern“ sprengen – Aufeinander zugehen

Der Besuch der israelischen Delegation im Rahmen des ersten Deutsch-Israelischen Schüleraustauschs zwischen der Atidim High School in Holon und dem Gymnasium Lehrte endete am 23. Oktober mit einer Podiumsdiskussion, die in verschiedenen Arbeitsgruppen vorbereitet wurde. So wurden Fragen erarbeitet, die die den Gästen Katja Demnig, Initiative Stolpersteine der Stiftung Spuren, Kirsten Fricke, Seelsorgerin im Kirchenkreis und Expertin für interreligiösen Dialog, und Eliah Sakakushev von Bismarck, künstlerischer Direktor der Villa Seligmann für jüdische Musik, durch eine Schülergruppe gestellt wurden. Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich unter künstlerischen Fragestellungen mit dem Verhältnis zwischen Israel und Palästina (s. Artikelbild).

In der HAZ/NP berichtete Katerina Jarolim-Vormeier über diese Veranstaltung:

Schulleiterin Silke Brandes (Zweite v. li.) und Lehrer Klaus Perk (rechts) begrüßen Eliah Sakakushev (v. li.), Kirsten Fricke und Katja Demnig. (Foto: Katerina Jarolim-Vormeier)

„Harte Grenzmauern soll es nicht geben“

Lehrter Gymnasiasten und junge Gäste aus Israel diskutieren im Hirschfeld-Forum

Neun Tage lang haben erstmals junge Israeli Lehrte im Rahmen eines Schüleraustausches besucht. Ein Höhepunkt des Austausches mit dem Gymnasium war am Mittwoch eine Podiumsdiskussion für die gesamte Oberstufe des Gymnasiums im Kurt-Hirschfeld-Forum. Das Thema der Veranstaltung lautete Mauern sprengen, aufeinander zugehen. Zu Gast waren Katja Demnig, Frau des Initiators des bundesweiten Projektes Stolpersteine, Gefängnisseelsorgerin Kirsten Fricke und Eliah Sakakushev von Bismarck, Cellist und Direktor der Villa Seligmann für jüdische Musik.

Schulleiterin Silke Brandes nannte als Anlass für die Diskussion den besonderen Besuch in der Stadt. In den Herbstferien habe man noch die Mauer zwischen Israel und Palästina in Augenschein genommen. Andererseits berichteten die Lehrter Gymnasiasten ihren derzeitigen Gästen nun von der Berliner Mauer, deren Reste sie auch bei einem Tagesausflug in der Hauptstadt sahen. Die Jugendlichen machten bei einem gemeinsamen Workshop mit. Und dabei entstanden das Konzept der Podiumsdiskussion sowie eine Skulptur aus Plastik, die zwei Menschen darstellt, die aufeinander zugehen – und die Mauer ist gefallen.

Von Katja Demnig wollten die Gymnasiasten und jungen Israeli wissen, wann und wie eigentlich das Projekt der Stolpersteine mit den Messingtafeln vor den Häusern während der Nazi-Diktatur deportierter Juden in Deutschland ins Rollen kam. Initiiert habe es ihr Mann Gunter vor 25 Jahren. Angefangen habe alles mit einem Dokument über im Jahr 1940 deportierte Sinti und Roma. Erst dann sei die Idee mit den Steinen gekommen, die in den Boden eingelassen wurden, sagte Demnig.

Viele Hausbesitzer hätten keine Stolpersteine vor ihrem Haus haben wollen, weil sie befürchteten, dass sie mit den Steinen in Verbindung gebracht werden, sagte Demnig. Aber die Steine sollten nicht anklagen, sondern erinnern. Eine weitere Frage richtete sich an den Cellisten Eliah Sakakushev-von Bismarck: Bringt die Musik Menschen zusammen? „Die Musik öffnet das Herz. Sie hat historische Wurzeln, aber richtet den Blick nach vorne“, lautete die Antwort. Musik sei Ausdruck einer internationalen Sprache.Kerstin Fricke, Seelsorgerin in der JVA Sehnde,berichtete von der Arbeit mit Menschen unterschiedlicher Religionen. Sie ist fest davon überzeugt: „Man versteht nur jemanden und seine Religion, den man kennt und dem man schon mal die Hand gegeben hat.“ Und selbstverständlich gebe es unterschiedliche Meinungen auch unter Christen, Muslimen und Juden. Respekt und Dialog brächten Menschen voran, ergänzte Katja Demnig.

Gabriele Gosewitsch schrieb im Marktspiegel folgenden Beitrag:

Rezepte für die Zukunft

Experten-Diskussion zur deutsch-israelischen Begegnung im Gymnasium

Verständnis und Völkerverständigung lauten die Ziele des derzeitigen Schüleraustauschs. 15 Schüler des Gymnasiums besuchten während der Herbstferien Israel, 13 Schüler aus Israel sind nun in Lehrte zu Gast. „Unsere Erlebnisse und Eindrücke sind so vielfältig, es ist kaum fassbar“, sagte Silke Brandes, Leiterin des Gymnasiums bei ihrer Rückkehr aus Tel Aviv. Gesprochen haben die Lehrter Schüler bei ihrem Aufenthalt sowohl mit den israelischen Gastgebern als auch mit Palästinensern. Ein Teilstück der 759 Kilometer langen Sperranlagen auf der Grenze zum Westjordanland wurde besichtigt. Der Furcht einflößende Mauerbereich beschäftigt die Schüler intensiv, so gezeigt im Reisevideo, das im Forum die Podiumsdiskussion in besonderer Weise einleitete.

Moderiert von Silke Brandes und Koordinator Klaus Perk, Lehrer für Englisch und Deutsch, stellten sich Katja Demnig, Initiative Stolpersteine der Stiftung Spuren, Kirsten Fricke Seelsorgerin im Kirchenkreis und Expertin für interreligiösen Dialog, und Eliah Sakakushevvon Bismarck, künstlerischer Direktor der Villa Seligmann für jüdische Musik, den Schülerfragen, die zuvor im Workshop erarbeitet wurden. Geschickt und klug zielten die Schüler mit ihren Fragen auf den wirklichen praktischen Nutzen der auf Völkerverständigung angelegten Arbeit der Podiumsgäste.

Keinen Raum für Platitüden gab es bei Fragen wie „Wie genau verbindet Musik die Kulturen?“ oder „Welche Kontroversen gab es im Haus der Religionen (Hannover) beim Zusammentreffen?“. Während Eliah Sakakushev-von Bismarck aufzeigte, dass es die offenen Fragen sind, die individiuelle Meinungsbildung fördert, berichtete Kirsten Fricke von Situationen, in denen Kontrahenten auch solche bleiben. Katja Demnig hofft, dass die Menschen nicht verlernen, aufeinander zuzugehen. Wenn der Respekt erhalten bleibe, könne das Nebeneinander von Religionen in einem Land gelingen, so ihr Plädoyer. „Wir glauben alle an einen Gott, tun es aber unterschiedlich, und das ist auch gut so. In jeder Religion ist das friedliche Miteinander die Vorgabe“, so Kirsten Fricke. „Jeder kann sich fragen, was man sein will und was die Heimat ist. Eine Stadt, ein Land? Will ich Europäer sein, oder Weltbürger?“ so die Gegenfrage von Eliah Sakakushev-von Bismarck. Er betont: „Schlimm ist, wenn man still ist und sich darauf verlässt, dass andere Vorgaben machen. Das Nachdenken, auch über kleine unauffällige Wörter wie Ausländer, ist wichtig.“ Auf die Schülerfrage nach der Beurteilung der Erinnerungskultur attestierte Eliah Sakakushev-von Bismarck: „Auch das ist eine außerordentlich gute Frage. Damit beschäftigen wir uns in der Villa Seligmann intensiv. Es geht nicht um die Erinnerungskultur, sonder Erinnerung muss Mittel für die Gestaltung der Zukunft sein.“