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Survival-Training-Projekt des Seminarfachs – SF 5 goes wild…

# 32 Stunden # 1 Grad # Dauerregen # Feuer mit nassem Holz # tropfende Schlafsäcke # Nahtoderfahrung # Brennnesselreis # essen sie diesen Pilz auf gar keinen Fall # singing in the rain # wer jetzt tot ist…das ist eh zu spät # ich füttere hier immer Wildschweine # ist das ein Jogger? # können wir heute schon zurückfahren?

 

Es ist Freitag, der 21.10.2016, sieben Uhr, es regnet und im Wetterbericht des Radios wird durchgesagt „es herrschen ungewöhnlich kalte Temperaturen für diese Jahreszeit“. Was also sollte man anderes für das Wochenende geplant haben als mit dem Seminarfachkurs in den Wald zu fahren und dort ohne Zelte, ohne Nahrung oder jegliche Hilfsgegenstände des alltäglichen Lebens ein Survival-Training zu absolvieren? Diese Frage konnten wir uns auch nicht beantworten und machten uns deshalb am Freitagmorgen kurz nach Sonnenaufgang auf den Weg nach Friedrichsbrunn in Sachsen Anhalt, um dort am Gondelteich zu den Ursprüngen des alltäglichen menschlichen Lebens zurückzukehren.

Nach einigen Wochen der theoretischen Vorbereitung der Entfachung eines Lagerfeuers ohne Feuerzeug oder ähnliches, des Baus eines Nachtlagers aus Materialien des Waldes, das möglichst auch regenfest ist und der Ernährung durch Pflanzen des Waldes, hieß es für den Seminarfachkurs von Frau Baranek dieses nun auch praktisch durchzuführen. So verbrachten 15 Schüler der Q2 und zwei Lehrerinnen (Frau Baranek und Frau Bredthauer) 32 Stunden unter extremsten Bedingungen im Wald. Nach der Ankunft in Friedrichsbrunn wanderten wir zum Gondelteich, den wir zuvor als Lagerplatz ausgewählt hatten. Die Stimmung war super. So hieß gleich zu Beginn die Antwort auf die Frage, ob wir die Straße oder auf gut Glück querfeldein zu der Lagerstelle wandern wollen, einstimmig „querfeldein“.  Angekommen ging es sofort an den Bau der so genannten „Biberbauten“, die wir in der Vorbereitungszeit als passende Lagervariante ausgewählt hatten. Der Himmel schickte uns zu diesem Zeitpunkt immer noch unterbrochen sein Bestes. Den Matsch bis zum Stirnansatz brauchten wir langsam ein Feuer, um uns wieder ein wenig aufzuwärmen und Essen zu kochen, da das Schleppen von Ästen, Tanne und Moos doch einiges an Energie verbrauchte. Dies erfordere jedoch einiges an Geduld, da weder trockenes Holz noch Zunder zu finden war. Wir entschieden uns ein kleinwenig zu schummeln und zogen einen Tampon zu Hilfe, der uns aus der größten Not rettete. Als wir bereits eine Gruppe ins Dorf geschickt hatten, um nach trockenem Feuerholz zu fragen, gelang es nach circa drei Stunden tatsächlich mit den nassen Materialien, ein dauerhaftes Lagerfeuer zu entfachen, auf dem wir sogar kochen konnten.

16survival5-webZur Deckung des grundlegenden Energiebedarfs hatten wir Reis im Gepäck, den wir über dem Feuer in Seewasser kochten und mit gesammelten Brennnesseln noch etwas schmackhafter machten. Bis es dunkel wurde, waren wir die gesamte Zeit mit dem Lagerbau, der Nahrungssuche und dem Feuer entfachen und aufrechterhalten beschäftigt. Das Schlimmste stand uns nun noch bevor. Die Nacht. Es regnete auch dann noch ununterbrochen und die Temperatur sank spürbar ab. Dies lenkte uns jedoch von einem Kommentar einer Spaziergängerin ab, die sagte sie füttere hier immer die Wildschweine.

Bis auf Til und Silas, die ihren Unterschlupf so perfektioniert hatten, dass sie warm und trocken schlafen konnten, machte von den anderen kaum jemand für längere Zeit ein Auge zu. Die Wildschweine wurden von Jonas Schnarchen verjagt und spazierten an unserem Lager vorbei.

16survival4-webAb sechs Uhr versammelten sich die ersten, um das Feuer wieder zu entfachen und die Schlafsäcke auszuwringen. Zum Frühstück gab es wieder für jeden eine Schüssel wohlschmeckenden Reis. Zum Aufwärmen und Wachwerden machten wir einen Spaziergang um den Teich und sangen aufheiternde Lieder. Daraufhin mussten wir unsere Lager abbauen und unsere Spuren im Wald verwischen.

16survival2-webMatschverschmiert und nach Lagerfeuer duftend machten wir uns auf den Rückweg nach Friedrichsbrunn, wo uns der Bus wieder abholen sollte. Unser Bekanntheitsgrad im Dorf hatte sich bis dahin ausgebreitet, sodass uns jeder, der uns traf, ansprach, ob wir die Nacht gut überstanden hätten, obwohl wir diejenigen noch nie zuvor gesehen hatten.

16survival3-webHungrig wie wir waren, gingen wir los und tauschten im ganzen Dorf Eier gegen Nahrungsmittel. Die Ausbeute wurde dann im Friedrichsbrunner Bushaltestellenhäuschen zusammengetragen und aufgeteilt. Es war ein Festmahl aus Käse, Mettwurst, Sülze, Toast, Knäckebrot, Chips, Schokolade, Christstollen und vielem mehr, dass wir glücklich genossen bis der Bus kam. Der Busfahrer forderte von einigen ihre schmutzige Kleidung lieber im Kofferraum zu lagern und amüsierte sich köstlich über unseren überaus heruntergekommenen und fertigen Anblick. Der beheizte Bus war eine Wohltat und brachte uns schnell und sicher zurück nach Lehrte, wo erstmal einiges an Schlaf und Essen nachgeholt werden mussten. – Ein unvergessliches Erlebnis und ganz besonderes Schulprojekt – (Linda Baranek)