Am Dienstag, den 24.02.2026 hatten 6 VertreterInnen der verschiedenen Musik-AGs des Gymnasium Lehrte die Möglichkeit mit Musikfachgruppenleiterin Frau Holmer und Schulleiterin Frau Brandes die evangelische Jugendhilfe im Hermann Bödeker Haus in Hannover zu besuchen, das Spendenziel der Weihnachtskonzerte 2025.
1883 begann Hermann Bödeker mit dem Sammeln von Spenden und eröffnete eine Bödeker Krippe. Daraus entwickelte sich nach mehreren Standortwechseln eine evangelische Jugendhilfe, welche nun direkt neben der evangelischen Dreifaltigkeitskirche liegt. Die Einrichtung hat durch diesen Standort einen nahen Anschluss an Kindertagesstätten und Schulen. Dies ist praktisch für den Schulweg der Kinder, die dieses Haus ihr Zuhause nennen.
Im Bödeker Haus wurden wir bereits von der pädagogischen Leitung Astrid Baße und der Musiktherapeutin Ameli Bode erwartet. Sie führten uns durch den Eingangsflur hinein in die Wohnung der Gruppe ‚Moses‘, denn um diese Gruppe drehte sich unser Besuch hauptsächlich. Mehrere Doppelzimmer, ein Wohn- und Esszimmer mit Küche und Couch: So sieht das Zuhause der Kinder aus. Auch ein Fernseher steht auf einem Schrank. Unter der Woche werden die verschiedenen Wohngruppen von einem Koch verpflegt, am Wochenende steht gemeinsames Kochen an. In diesem Wohnbereich schlafen auch die Betreuer. Die Schichten sind immer so aufgeteilt, dass die Kinder abends, nachts und morgens die gleiche Person sehen, sobald sie etwas brauchen. Dies dient als Hilfe für die Kinder, damit sie vor allem nachts ein vertrautes Gesicht zu sehen bekommen.
Nach der kleinen Führung gingen wir hinunter in das Sportzimmer. Auf dem Weg roch es schon nach dem Mittagessen, was bereits für die Kinder vorbereitet wurde. Im Sportzimmer saßen wir im Kreis und hatten nun die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Die evangelische Jugendhilfe bietet Platz für 81 Kinder und Jugendliche, verteilt auf verschiedene Standorte. Es startet mit den Kleinkindgruppen, welche Platz für Kinder von 2-6 Jahren bietet, danach wechseln die Kinder in die Schulkindgruppen, dort bleiben sie bis zum 14. Lebensjahr. Dann gibt es die Jugendgruppen, die Platz bieten für die Jugendlichen, bis sie 21 Jahre alt sind. Ab dem Zeitpunkt suchen sie sich, manchmal auch mit Hilfe der Betreuer, eine eigene Wohnung und beginnen ihr eigenes Leben. Bei Bedarf gibt es auch dann noch Teilbetreuung bis zum 28. Lebensjahr.
Mögliche Gründe für einen Aufenthalt in Häusern wie dem Hermann Bödeker Haus sind psychische Erkrankungen bei den Kindern, aber auch Gewalt oder sogar Haft der Eltern. Leider haben manche der Kinder schon im frühen Alter sehr schlimme Geschichten hinter sich. Um für jedes Kind genug Aufmerksamkeit aufbringen zu können, werden in der Gruppe meistens nur 6 Kinder aufgenommen. Bei den Kleinkindgruppen gibt es für jedes Kind 12 Angestellte, da immer 2 Betreuer gleichzeitig Schicht haben müssen.
Im Haus Bödeker gibt es einen hohen Bedarf für Therapien, darunter Ergo-, Psycho-, sowie die neu genutzte Musiktherapie. Trotzdem wollen die Mitarbeiter das Leben der Kinder so ´normal´ wie möglich gestalten. Sie geben Feste, die Kinder erhalten Besuch und können auch bei ihren Freunden übernachten. Auch für Hobbies wie Sport, Klassenfahrten und Taschengeld kommt die Stiftung auf, allerdings ist auch dies begrenzt, und für teure Wünsche ist nur selten Platz. Doch für genau solche Wünsche werden die Spenden genutzt, wie auch die Spenden unserer Weihnachtskonzerte 2025.
Diese finanzieren die Musiktherapie, welche seit 3-4 Jahren im Haus Bödeker angeboten wird. Musiktherapie sei für viele ein fremdes Wort, jedoch werde damit ein besonderes Vertrauen zu den Kindern aufgebaut, dies erzählt uns die Musiktherapeutin Ameli Bode. Der ¾- Takt wirke beruhigend auf die Nerven, genauso wie ruhige Instrumente, zum Beispiel ein Regenmacher. Das gemeinsame Singen und Tanzen von schon bekannten Liedern helfe den Kindern, sich zu öffnen und sich anderen anzuvertrauen. Angewendet wird diese Form von Therapie nur bei Gruppe ‚Moses‘.
Kinder und Jugendliche können im Haus Bödeker abgelehnt werden, wenn sie nicht hineinpassen, sei es mangelnder Platz oder auch falsche Voraussetzungen. Zum Beispiel werden Jugendliche mit Suchtproblemen wie Alkohol nur sehr selten aufgenommen; stattdessen leitet man sie in Kliniken weiter, die sich besser um die Kinder kümmern können.
Für Fremde ist der Zutritt verboten, allerdings darf die Tür nachts auch nicht abgeschlossen werden. Daher gibt es Regeln, die vor allem für die Jugendlichen gelten: abends sollten sie um 21 Uhr zurück sein und um 22 Uhr auf ihren Zimmern. Natürlich kann man auch nach Absprache länger draußen bleiben, wenn zum Beispiel ein Sportevent länger dauert. Es gibt eine Klingel, welche bei der Nachtschicht klingelt, es kann aber auch bei Vertrauen ein Schlüssel herausgegeben werden, jedoch ist die Anfrage dafür recht selten. Auch soziale Medien oder mitgebrachte Geräte stellen kein Problem dar, solange sie den Rahmen nicht sprengen. Die Kinder bekommen ihr Taschengeld ab einem bestimmten Alter auch auf ein eigenes Konto. Ab 14 Jahren können sie Minijobs annehmen und dadurch ihr eigenes Geld verdienen. Früher mussten sie von diesem Gehalt allerdings einen großen Teil ans Jugendamt zahlen, aber diese Regelung wurde vor einiger Zeit geändert.
Das Sorgerecht der Kinder bleibt auch während ihres Aufenthalts bei den Eltern, die Mitarbeiter versuchen immer den Kontakt zu halten. Jedoch gibt es ganz unterschiedliche Fälle von Eltern: von gewalttätigen, denen man das Kind anonym entzieht und komplett abschottet, zu Eltern, die ihre Kinder besuchen und sogar mit den Mitarbeitern Kaffee trinken.
Durch die Corona Zeit stieg der Bedarf an Jugendhilfe und Therapie merklich an, aber mittlerweile hat sich dies wieder normalisiert.
Nach einem Gruppenfoto, auf dem auch der kleine Stern Twinky nicht fehlen durfte, verließen wir das Hermann Bödeker Haus wieder und wissen nun, was hinter dem unscheinbaren Haus in der Friesenstraße steckt.
Victoria Neumann (10e),
Jonte Denecke (10e),
Johanna Waschke (10e)



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