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22abi-12

Feierliche Abiturentlassung

Nach dem Begrüßungsstück der Big Band, sie spielten „Barbara Ann“, sah man überall suchende Blicke, die nach der Stimme aus dem Off suchten. Schulleiterin Silke Brandes war nur über die Lautsprecher bei einem fiktiven Telefonat mit Klaus Perk zu hören. Sie verabredete sich mit ihm für den Besuch eines Mottowoche-Termins. So erntete  sie großen Applaus, als sie dann die Halle im  „Schlafanzug“ betrat. Hierbei fiel ihr dann auf, dass es ja wohl doch um die Abiturentlassung gehen musste. Sie berichtete von einem Traum, in den die Entlassung wegen neuer hoher Corona-Inzidenzen abgesagt werden musste. Dem diesjährigen Abi-Motto: „Die Schule war öfter dicht als wir“ setzte sie ihre Erinnerung entgegen: „In meiner Schulzeit war die Schule nur bei Schneeverwehungen dicht.“ Sie gewann den Schulschließungen aber auch die gute Seite ab: Die Digitalisierung werde vorangetrieben. Diese Entwicklung münde jetzt in die Schaffung von drei Jahrgängen mit IPad-Nutzung: „Der Unterricht wird sich verändern!“ Ihre Begrüßung endete mit einer Schweigeminute für die im Ukraine-Krieg Gefallenen.

Bürgermeister Frank Prüße erinnerte sich „als Schüler die alten Räume trockengewohnt zu haben.“ Es werde Zeit für neue Klassenräume, die die Stadt Lehrte in naher Zukunft zur Verfügung stellen wolle. Er hob die guten Seiten von Fehlern hervor und erinnerte an die nicht weggeräumten Petrischalen von Alexander Flemming, die den Anstoß zur Entwicklung der Antibiotika gegeben haben sollen. Den Abiturienten riet er neugierig zu bleiben und jetzt, nach 13 Jahren Schulzeit,  auch mal etwas ganz anderes zu machen.

Die Rede für die Eltern hielt Mesut Ates, der seinen Namen mit „Glückliches Feuer“ übersetzte und um Applaus bat, immer dann, wenn er aufgeregt werden sollte. Er setzte die Verdienste der Eltern erst mal pragmatisch an: Sie sorgten dafür, dass die Schüler immer pünktlich zur Schule kamen. Auch mussten sie ihre Kinder gegenüber ungerechten Lehrern trösten: „Das ist Teil der Bildung.“ Sein Rat an die Absolventen: „Was immer ihr macht, macht es mit Freude.“

Die Lehrerrede von Markus Peterseim brachte Persönliches an den Tag. Die Berufswahl „Englischlehrer“ wurde maßgeblich durch den Wunsch geprägt, die neuen Harry-Potter-Bücher möglich schnell lesen zu wollen, und das war zuerst in der englischen Ausgabe möglich. Die Vorliebe zu der Autorin erklärt auch die Wahl seines Zitates für die Schüler:

„It is impossible to live without failing at something, unless you live so cautiously that you might as well not have lived at all, in which case you have failed by default.“ (J. K. Rowling at the Harvard Commencement, 2019)

Peterseim  zollte den Schülern Respekt, weil sie im tiefsten Winter vor offenen Fenstern den Unterricht erlebt und überlebt haben. Von anderen Lehrkräften hatte er Informationen eingeholt, auf welchen Gebieten der Jahrgang gescheitert ist.

Für die Abiturienten hielten die Schülersprecher Charlotta Steinweg und Sinar Can Yatar die Rede, in der sie über abiturrelevante Inhalte berichten, die online gelernt werden mussten. Für ein halbes Jahr haben sie wegen Corona den Klassenraum gegen ihr häusliches Zimmer tauschen müssen. Dies habe aber auch seine Vorteile gehabt, denn so konnte man Lehrkräften, die tatsächlich um 7:45 Uhr Videokonferenzen angesetzt hatten, fünf Minuten nach dem Aufstehen im Schlafanzug zuhören. Mikrofon und Kamera waren wohl oftmals defekt, oder sogar der komplette Internetanschluss. Zuhause bestand auch nicht die Gefahr, von einem spontan herausfallenden Fenster fast erschlagen zu werden, wie das im Schulgebäude schon mal passieren kann.

Den offiziellen Teil eröffnete die Rede von Jens Lamker, dem Oberstufenkoordinator, der Zahlen lieferte. Insgesamt konnten 94  Schülerinnen und Schüler das Abitur erreichen, vier erhielten die Fachhochschulreife. Als neuer Rekord am Gymnasium Lehrte gilt die Zahl von 29 Zeugnissen mit einer Eins vor dem Komma. Drei Schülerinnen erreichten sogar eine „1,0“: Philine Lopisch, Hanna Wiontzek und Amelie Wolfgram; dafür erhielten sie einen Preis aus den Händen der Fördervereinsvorsitzenden Frau John. Viele weitere Preise wurden von Fachverbänden ausgelobt und von den Fachlehrern übereicht. Auch soziales Engagement wurde honoriert.

Aufgelockert wurden die Reden durch musikalische Unterstützung der Big Band, des Schulchors und des Heartchors.

Die abschließende Verleihung der Abiturzeugnisse erfolgte einzeln nach einem Gang über den „Roten Teppich“. Vor der Turnhalle wurde dann noch mit Eltern, Freunden und Verwandten gefeiert.

Das Telefonat aus Zeiten der Mottowoche!

Gespannt lauschen die Absolventen den Reden!

Schulleiterin Silke Brandes lässt die Schulzeit Revue passieren.

Gemeinsam doppelt so gut: Heartchor und Schulchor!

Geordnet in Tutorengruppen!

Die Redner waren: Bürgermeister Frank Prüße, Elternvertreter Mesud Ates, Lehrer Markus Peterseim und Oberstufen-Koordinator Jens Lamker

Charlotta Steinweg und Sinar Can Yatar hielten die Schülerrede. Später wurden sie für ihr Engagement für den Jahrgang geehrt.

Unermüdlich dabei: Die Big Band unter Leitung von Ane Holmer!

 

 

Nina Hoffmann schrieb am Montag, 4. Juli in der HAZ/NP

Gymnasium Lehrte verabschiedet Abiturienten

98 Schülerinnen und Schüler bestehen Abschluss / Rekordquote in diesem Jahr: 29-mal steht die Eins vor dem Komma

Scheitern gehört zum Leben dazu. Diese Erkenntnis prägte die Entlassungsfeier der Lehrter Abiturientinnen und Abiturienten am Freitagmorgen. Nicht etwa, weil sich der Jahrgang so schlecht in den Prüfungen geschlagen hat – im Gegenteil: Von den 98 jungen Menschen erarbeiteten sich 29 eine Eins vor dem Komma ihrer Abinote. So hoch war die Quote noch nie. Dennoch haben die Schülerinnen und Schüler besonders in den vergangenen Jahren gelernt, dass Fehler im Alltag dazugehören.

Schüler, die mit Kater im Klassenraum sitzen, die schlechte Ausreden wegen Zuspätkommens vortragen oder die während des Unterrichts Uno spielen – all diese Erfahrungen hat Lehrer Markus Peterseim in den vergangenen Jahren mit dem Jahrgang gemacht. In seiner Rede in der Sporthalle hinterfragte er, ob seine Schülerinnen und Schüler durch diese Verhaltensweisen versagt hätten. Er philosophierte humorvoll und mit liebevollen Seitenhieben über Fehlerkultur und versuchte den Schülerinnen und Schülern auf den Weg zu geben, dass Scheitern Teil des Lernens ist. „Ihr habt versagt und seid Gewinner und nun geht da raus und versagt noch mehr“, sagte er und verabschiedete sich unter Applaus von seinen Schützlingen. „Die Schule war öfter dicht als wir selbst“ – so lautete das provokante Motto des Abijahrgangs, das auf das Homeschooling anspielte. Während der Entlassungsfeier kam das Thema Corona immer wieder zur Sprache, dominierte die Veranstaltung jedoch nicht. Stattdessen ging es nur hin und wieder um gescheiterte Versuche, das Homeschoolingniveau ähnlich hochzuhalten wie im Präsenzunterricht, das Vermissen der Mitschüler während der Lockdowns und das Frieren wegen des ständigen Lüftens. „Es wurde uns nicht leicht gemacht“, sagte Schüler- und Jahrgangssprecherin Charlotta Steinweg.

Schulleiterin Silke Brandes hob jedoch auch ein paar Vorteile der Pandemie hervor. So strebe die Schule mittlerweile an, dass jeder Jahrgang mit iPads ausgestattet werde. Ziele, die ohne den Druck der Pandemie wohl in weiterer Ferne liegen würden. Allgemein fordere die globale Situation viel Einsatz der jungen Menschen, betonte Brandes. Krieg und Klimawandel seien Themen, die den Schülerinnen und Schülern in Zukunft noch viel Einsatz abverlangen würden. „Wir legen unser Schicksal in eure Hände“, sagte sie. Auch Bürgermeister Frank Prüße (CDU) sagte zu dem Weltgeschehen: „Was sie in den letzten Jahren erlebt haben, erleben andere nie.“ Besonders die Rede von Elternvertreter Mesut Ates bewegte die Anwesenden. Er erzählte auch aus seiner eigenen Vergangenheit, um den Schülerinnen und Schülern Mut zu machen. Er berichtete, wie er von der Schule verwiesen wurde, selbst Rassismuserfahrungen machte – und wie ihn Lehrer und Familie unterstützten. „Macht es mit Freude“, sagte er bezogen auf all die Aufgaben, die den Absolventinnen und Absolventen nun bevorstünden. Und auch er schloss mit dem Motto des Abends, bevor Zeugnisse und Blumen verteilt wurden: „Ihr dürft und sollt Fehler machen.“